Jane‘s Journey. Dokumentarfilm über das Leben und Wirken der Verhaltensforscherin Jane Goodall.
Montag, 12. Januar 2026, 19 Uhr, Bürgerhaus
Liebe Pullacherinnen und Pullacher,
Bekannt ist Jane Goodall als erste Frau, die – 26 jährig – nach Ost-Afrika reiste, um vor Ort Langzeitstudien über Menschenaffen anzustellen. Der Film zeichnet nach, mit welcher Grundhaltung sie ab Anfang der 60er Jahre ihre jahrzehntelange Forschung betrieb mit revolutionären Ergebnissen: dass Schimpansen auch Fleischfresser sind, ähnlich wie Menschen miteinander kommunizieren können und dass sie selbst gelernt haben, Werkzeuge herzustellen und zu benutzen.
Der Film zeigt uns, dass Jane Goodall aber viel mehr war: eine außergewöhnliche Frau, die bis zu Ihrem Tod Anfang Oktober dieses Jahres ihre ganze Energie in den Dienst der Rettung der Erde stellte. Die Umwelt- und Tierschützerin rief viele Projekte zum Naturschutz und im Bereich der Selbsthilfe ins Leben – so z.B. „Roots & Shoots“, ein Programm für junge Menschen in aller Welt, die sich in eigenen Gruppen-Projekten zum Thema Mensch, Tier und Umwelt engagieren. Als UN-Friedensbotschafterin reiste sie durch die Welt und hielt Vorträge in über 120 Ländern.
Der Regisseur Lorenz Knauer zeichnet ihre Lebensreise in seinem ruhig begleitenden Porträt nach. Er fuhr mit der Forscherin von ihrem Geburtsort London zu den Regenwäldern von Gombe in Tansania, wo ihm berührende Aufnahmen mit den Schimpansen gelangen. Er begleitete sie in die USA, wo die Umweltaktivistin eines ihrer Projekte, ein Indianerreservat, besuchte und sich mit Prominenten und Wegbegleitern traf: Ein Tee mit Angelina Jolie, ein Treffen mit Michail Gorbatschow und dann weiter nach Grönland zum eindrucksvollen wie erschreckenden Gletscherabriss. Der Film verbindet Archivmaterial und Reiseaufnahmen, erzählt große Lebensstationen und kleine, bewegende Momente.
Der Regisseur, Lorenz Knauer, wird vor Ort sein. Das Jane-Goodall-Institut ist mit einem Infostand dabei.
Wir freuen uns auf eine bewegende, eindrucksvolle Veranstaltung. Der Eintritt ist frei.
Renate Grasse für den Ortsverband Pullach von Bündnis90/DIE GRÜNEN
Jane’s Journey
Jane Goodall war – kurze Zeit vor Diane Fossey (Gorillas) und Biruté Galdikas (Orang-Utangs) – die erste Frau, die Anfang der sechziger Jahre begann, Langzeitstudien über Menschenaffen anzustellen. Das Porträt einer außergewöhnlichen Frau
Tee bei Angelina Jolie gehört zum Alltag im Globetrotterleben von Jane Goodall, die im Alter von 76 immer noch dreihundert Tage im Jahr in hoher Mission unterwegs ist. Seit 2002 ist die Engländerin UN-Friedensbotschafterin und längst von ihrer Königin in den Adelsstand gehoben, regelmäßig besucht sie die von ihr 1991 ins Leben gerufenen weltweit gestreuten Einrichtungen von »Roots & Shoots«, die Kinder und Jugendliche dabei unterstützen sollen, kleine Projekte zu entwickeln und einen Lebensunterhalt zu ermöglichen – und vieles mehr. In ihrem früheren Leben hat sie als Erstes dafür gesorgt, dass ihre Schimpansen in Gombe/Tansania in einem Nationalpark geschützt werden.
»Jane’s Journey« heißt der Film, der in der zweiten Hälfte nur noch Goodalls Reisen vom Kongo bis Grönland begleitet und eine ruhelose Aktivistin vorstellt. Das Versprechen, dass wir die private Jane Goodall endlich kennenlernen dürfen, wird allenfalls im ersten Teil eingelöst. Da sieht man, dokumentiert durch alte Homemovies im 8-mm-Format, wie sie sich einst ihren Mädchentraum erfüllte und – zunächst in Begleitung ihrer Mutter – zum ersten Mal von ihrem Ersparten nach Afrika reiste. Jane hatte eine Sekretärinnenausbildung absolviert, weil ihre Eltern kein Studium finanzieren konnten – ihren Doktor machte sie erst viele Jahre später in Cambridge, wohin sie ihr Mentor, der Paläontologe und Evolutionsforscher Louis Leakey schickte. Leakey förderte übrigens auch Diane Fossey sowie Biruté Galdikas, er hatte ein Gespür dafür, dass Frauen mit ihrer besseren Einfühlungsgabe im Umgang mit menschenähnlichen Tieren auch die besseren Forscher wären.
Jane im hohen Gras in Gombe – das sind die schönsten und anrührendsten Szenen des Films. Wenn sich dann ein Schimpanse neben sie legt, ihre Haltung imitiert, offensichtliches Interesse für die Besucherin zeigt, die so ungeniert in seinem Terrain Platz genommen hat. Mit diesem Urvertrauen hat Jane Goodall ihre Forschung betrieben und revolutionäre Ergebnisse hervorgebracht: dass Schimpansen auch Fleischfresser sind, den Menschen Konkurrenz machen, ähnlich wie Menschen kommunizieren können und dass sie Werkzeuge herstellen und sie benutzen.
Man erfährt auch, dass Jane Goodall zweimal mit eher autoritären Ehemännern verheiratet war und als schüchterne Frau galt. Sie hat sich erst nach dem Tod ihres zweiten Mannes Derek Bryceson, des Leiters des Tansania National Parks, zu der Frau entwickelt, die wir heute vor uns sehen.
Alles, was Jane Goodall anfasst, verdient Hochachtung und macht sie zu einer Mutter Teresa der Ersten und der Dritten Welt, wo sie unermüdlich ihren Einfluss mit Vorträgen geltend macht, sich aber auch nicht zu schade ist, immer wieder vor Ort zu sein: wie in South Dakota in einem Indianerreservat, wo man sie wegen der hohen Selbstmordrate Jugendlicher zu Hilfe gerufen hat. Ihr bescheidener Auftritt – stets mit einem Stoffschimpansen unterm Arm – täuscht. Dahinter steckt eine ungeheure Energie, die sich allein aus dem Prinzip Hoffnung speist.